text / stein momentaufnahmen
Die Gesichtszüge, die Nürnberger seinen physiognomischen Fragmenten verleiht, nehmen zum Teil einen geradezu skurrilen Charakter an: Mit diesen Arbeiten stellt er sich in die lange Traditionslinie einer Kunst der Anti-Klassik und der Groteske. „Was jedoch den Unterschied zu diesen Vorläufen ausmacht“, sagt der Kunsthistoriker Christoph Poche, „ist das gleichrangige Nebeneinander der Ästhetik des künstlerischen Erzählens und der Ästhetik des Materials – was Nürnberger dem Material erlaubt, ist, nicht nur zu dienen, sondern selbst zu sprechen, und zwar, seine eigene unabhängige Geschichte zu erzählen – so dass wir als Betrachter zu etwas genötigt werden, was man bezeichnen könnte als ein inneres Oszillieren, ein Hin- und Herwechseln zwischen den Ebenen der Betrachtung – und dieses Oszillieren kann uns nahe legen, zu einer neuen Art der Wertschätzung zu finden für das Unfertige, für den Fehler, für die Unvollkommenheit – und dabei das eigentlich Vollkommene auch in diesen Aspekten der Wirklichkeit zu erkennen.“





