Primo von Randow

VON LORE SEICHTER-MURATH (c)

 

Grau und doch funkelst du mit deinen bunten Kristallen
Blitzt in der Sonne, glitzerst entgegen
Suchst zu gefallen!

Sag, gefällst dir?
Gefällst überhaupt?

Kannst aber auch deinen pickeligen Schädel
Der elendig, irgendwie krank
Hohlwangig? Einerseits glatt poliert
Die andere Backe voll Fieberblasen
Bitte? - Jedenfalls schlank und rank -
Regennass, dann düster schaust aus
Neger Lippe, Mund geöffnet, Zunge, wie blöde
Augen starren geradeaus

Schaust Du nach innen?

Sag, schaust du?
Schaust überhaupt?

Siehst vor dir, welche Landschaft?
Welche Geschöpfe einst hausten mit dir?
Unendliche Epochen, nicht zählbare Wechsel
Immer neu sich erfindendes wildes Getier
Waren bei dir!
Grasten daneben, - neben dir!
Die Meisten längst tot und vergangen,
Im Reiche der Toten gefangen -
Nur du bist immer noch hier!

Sag, schmeckst du?
Schmeckst` s überhaupt?

Wer wurde auf dir geboren,
Warum tropfte Blut auf den Stein?
Sag, weshalb bist nur du noch hier?
Wann lebte Christus? Wie zähltet ihr
Die modernden Jahre, die schon verbracht!
Wie?

Schaust überhaupt?

Oder denkst an die Kruste der Erde
Aus deren Schichten, aus deren Gestein
Der runde Feldstein wurde
Riecht ´s nicht nach Totengebein?

Sag, kannst du riechen?
Riechst überhaupt?

Riecht ´s nicht nach Totengebein?
Kann nichts davon riechen, nein!
Aber
Durch hundertausend´ Unmöglichkeiten
Deine Masse hast verringert
Dabei mir
Nicht vorstellbar sind Gesetzmäßigkeiten
aber
mit der Evolution hinüber schreiten
und während dieser
Zeuge sein.
Zeuge aller Gezeiten
Geschoben, gespalten, geschmirgelt
In dir eine Welt von Farben behaltend
Behütet, Geheimnis, verborgen
Das Außen blieb nicht beim Alten
Hast du ein Innen?
Gibt`s eine Seele?
Das Außen
Ward nicht Ewig, ward bald erstorben.
Und du! Nicht verdorben!
Nur immer kleiner werdend
willst
Immer Bleiben, immer Bleiben auf Erden?

Fühlst du was?
Fühlst überhaupt?
Was?

Weißt wie du was geworden? -
Weißt ja
Vom Brocken gewaschen zum Stein
Tief in die Erde hinein.
Lagst wieder tausend Jahr
Tief unten, da drunten.
Dann irgendwie gefunden
Jetzt
Wurde gehauen in dich hinein
Geflext, gekratzt, geschnittenen, geschliffen und poliert
In dich
Hohe Stirn mit nasser Narbe,
von erdig roter, brauner Farbe - - -
nordische Hakennase, wie bei einem Falken
Eier Kopf wie ein Ei, volle Lippen am offenen Mund
ein angebrochener Hals
meißelte dein Finder sich an dir wund
schuf einen Unbekannten mit einem Gesicht
Düster im Dunkeln, zart funkelnd im Licht.
Ich kenn dein Menschenvorbild nicht!

Sag, wer bist du?
Bist überhaupt?

So liegt kein Gneis!
Derart geformt. So findet sich kein einziger Stein!
Nicht hi noch da! Es ist
Hart der Granit, und doch mit weichen Kristallinen
Durchzogen,
Wasser den Quarz durchfließt,
Kanälen ähnlich, durchströmen Bergbaumienen
Ich hatte wenig über Spate gedacht:
Bin sicher!
Bewegung im Stein findet statt!
Ist Innen drinnen eine eigene Welt?
Vor mir verborgen
Dieser erste in mein Universum gestellt
Liegt plump nur da,
eben ein Stein am Wegesrand,
bis der Finder ihn fand.
Hat ihn ausgewählt, hat er ihn gebrochen
Ausgestattet mit fiktiver Genealogie
Ausdruck einer Phantasie
Bis hin zur Antike
In einen Zusammenhang gebracht
Ist dieses Stück Kopf
Neben den Großen, den Alten
Auch Ausdruck von Ironie
Zu dem Stück Kopf geklopft.
Wer?
Wer? Dein hehres Vorbild? Nie gekannt
Stehst da, heißt Primo von Randow
Von deinem Schöpfer so benannt.
Stehst da, - sag
Stehst überhaupt?

mit einem Ausdruck stehst da!
könntest doch alles sein
hellenischer Gelehrter, römischer Feldherr,
mit einem Ausdruck stehst da
sentimentaler Nazi, oder ein Fußballstar
stehst einfach da
angetrunkener Junker, oder glücklicher Hans
selbstzufriedener, schlachtender Hurensohn
dummer Rebell, warum nicht? Ja, warst beim Tanz?
HANS IM GLÜCK ? -
Ach, was!
edel und anerkannt
ha, ha, kein Stück!
Einfach eben.
Irgendein Abbild von Menschenleben!
Gehauen in harten Granit!

Aus hehrem Antlitz strömt auch Witz
Aus dir
Zu mir
Litz, Litz, Antelitz …
Kein General von Cosewitz!

Ein unbekanntes, geheimnisvolles Menschenleben!
Sag, was hörst du?
Hörst überhaupt?

Mit deinen anliegenden Ohren
Hörst vom veränderten Neubeginn,
hörst die Unglaublichkeiten
sich in der Welt verbreiten:
grausames Sterben, zerstörende Wut,
bald mehr kein Leben, schreckliches Ende
fehlt jedem aller LEBENS Mut zur -
zu einer erneuten Wende.

Hörst die Jahrtausende, Abermillionen
Jahre, schwingen sie nach, hast sie erlebt
Hast du empfunden
Lebst überhaupt?

Sag, was lebst du?
Lebst überhaupt?

Mit deinen anliegenden Ohren
Hörst die Jahrtausende, Abermillionen
Jahre, schwingen sie nach, hast sie erlebt
Hast du empfunden
Lebst überhaupt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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