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Material und Mensch tanzen
von
Malte Wienebüttel
Die Materialmimen gehören zur Familie der SKARAORGE*, sie sind deren
flache Variante. Skaraorge sind überall. Wie die meisten Skaraorge
pflanzen sich auch die Materialmimen sexuell fort, aber auch Parthenogenese
kommt vor. Für das Zusammenfinden mit einem Partner, vorzugsweise
einem Menschen, spielen meist optische Reize aber auch Duftstoffe (Pheromone)
die entscheidende Rolle. Man vermutet, dass diese dem Anlocken des Sexualpartners,
in den meisten Fällen aber der Abwehr von Feinden dienen. Vor der
Paarung findet eine Art Balz statt. Der Tanz von Material und Mensch.
Während der Vereinigung bringen sich die Komponenten in die Anordnung,
die sie „skaraorgisch“ begehren, Dabei wird der Mensch so
gesteuert, dass er der Illusion erliegt der Kreative zu sein. Gelingt
der Akt, machen die Komponenten eine vollkommene Verwandlung (Metamorphose)
durch. Das entropische Sein des Skaraorgen bzw. Materialmimen wird zum
Imago.
Materialmimen sind Schauspieler und stellen Schauspieler dar. Sie rematerialisieren
mit ihren Möglichkeiten einen vergangenen, flüchtigen Moment
aus dem Theater, meist einen Handlungshöhepunkt. Die Zuordnung der
bisher bekannten Imagines zu bestimmten Schauspielern ist naturgemäß
kompliziert. Die Forschung ist noch in den Anfängen. Lediglich die
Zuordnung der so genannten Sharakugruppe ist gesichert.**
Die in dieser Ausstellung gezeigten Materialmimen sind nur partiell ausgebildet.
Dies ist zusammen mit ihrer flachen Beschaffenheit eine Konzession an
die mitunter drangvolle aber gewünschte Enge im Foyer der Vagantenbühne.
Lüneburg, August 2009
* s. Wikipedia
** s. Sharaku
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