Text aus:

Bernhard Nürnberger, die konspiration der dinge , 2013, Verlag der Universität der Künste

Kapitel: windsbraut

Beim Ritual will B* nicht gestört sein in der Ruine des ehemaligen Vorwerks Heimstedt. Stativ und Fotoapparat sind aufgebaut im erhaltenen Teil des ehemaligen Pferdestalls. Auftritt: Figurantin Lorna in der Rolle der Lorna von Heimstedt.

Es geht ein guter Wind von West. B* hat das kräftig pulsierende Luftrauschen der Siemens-Windmühle E 70 im Ohr und unmerklich ihre Vibration in allen Organen, im Blut. Er weiß um den psychischen Effekt des Infraschalls. Das steigert den kreativen flow. Er kalkuliert das tieffrequente Geräusch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle kühl ein und, die Abnahme seiner kognitiven Selbstkontrolle spürend, greift er in die Tiefen die Folienfalten von Lornas Noppengewand. Ihre Augen beginnen zu blitzen. Als er hinter sich ein knirschendes Geräusch vernimmt. Er dreht sich um. Ärgerlich. Da steht Blaugesicht. Hat wohl einen der mürben Biberschwänze zertreten, die hier verstreut zahllos auf dem Boden liegen. Er sieht ihn oft im Dorf. Regelmäßig geht er die Straße rauf und runter, mittags zur Gaststätte, gegen Abend schleppenden Schritts zurück. Er hatte sich zurechtgelegt, was er sagen wollte, falls ihn jemand bei seinem Tun hier aufstöberte. Das fällt ihm jetzt nicht ein. War mit Bedacht gegen 12 Uhr hierher gefahren, er weiß, die Ortsansässigen halten die Essenszeit ein, wollen um diese Zeit selbst nicht besucht werden. Nun steht das Blaugesicht da. Hat die Gaststtätte geschlossen? Er streckt ihm die Hand hin, um das aufsteigende Unbehagen wegzuschütteln. Schweigen. Blaugesicht hebt zögernd die Hand, lässt sie knapp anfassen und schlaff schleppt sie sich aus dem angefangenen Griff. Sein Blick weicht seitlich nach unten aus. Uckermärkische Begrüßung. Fertig.

„Dat Dach is ingefalln...“, sagt Blaugesicht und „ ich komm hier, weil die sagen, hier gibt es Gespenster und so’ne komischen Sachen, seit....“, blickt ehrfürchtig hoch durch das löchrige Dach, hoch zur Enercon 70, „dat ein dat kalt den Rücken runner lüppt oder man davon kotzen tut.“ Er entdeckt das Blitzen in den Augen der Figur, sein Gesichtsblau changiert zu Blauviolett. Auch B* schaut sie an. Das Blitzen erlischt. Verdammte Störung, er wendet sich zurück. Blauvoilettgesicht ist verschwunden. Es bleibt der Rhythmus der Rotoren. Neustart des Rituals. Der Wind weht. Das andauernde, taumelnde Luftrauschen umfängt B* und Lorna. Stetig, drängend, Herzfrequenz. Sie spürt den Ton, den Schalldruck. Der Griff in die Falten. Das löst das Flimmern aus, die ersehnte Reizbarkeit und Beklemmung, das unbehagliche Staccato des Lichts der Augen. Die zitternd ersehnte Opferseligkeit des Ergebens, des Unterwerfens durchbebt jede Falte und Noppe ihres Wesens, durchkreißt ihre Schleifen und Knoten. Komm! Energie!
Ein flirrend zuckender Lichtsturm zerblitzt die Szene, überfliegt die Mauern, flutet den gesamten Resonanzraum des alten Pferdestalls, schleudert vielfach zurückgeworfen eine megawattgeladene, stehende Woge in die jetzt schwimmenden Glieder des Gebälks, durchlichtet Pfosten, Pfetten, Latten, Sparren, Streben. Kristallisiert alles in gleißendem, heiligem Glanz. Lornas Porzellanwangen erglühen heiter heißviolett im anschwellenden Klang ihres nun im Rhythmus der Rotoren der E 70 synchron schlagenden Pulses. Rätselhaftes Gefühl, flackernder, bebender, exstatischer Rausch – was nur der Geweihte versteht – das Abendmahl der Vervollkommnung des Menschen. Braut ist sie, der Energie Braut und Eigentum, bebenden, flirrernden Lides leuchtet aus ihr das Schönste der Menschenseele, der höchste Impuls, die Rettung der Schöpfung, des Menschenherzen reinste Empfindung und Sehnsucht. Du bist da, Energie, kaltes Hertz. Zucken in sturmstiller Helligkeit. Erlösung im Heil. Opfer, erleuchtet im heiligen Strahl reiner Energie. Luftlichtdröhnende Rauschglut zerlodert ihr die Schläfen, verbietet den lebendigen Blick, lähmt mir die Zunge, löscht mir, der ich dies schreibe, die Sprache.

Er habe vor der Vision, erzählt B*, zurückgekehrt nach Wollschow bei einer Tasse Darjeeling intuitiv die Augen geschlossen und doch alles gesehen, das wunderbare, nuancierte Farbskalen durchlaufende Nachbild des zerschmelzenden Umrisses Lornas ganz langsam schwinden sehen können. Er habe die Sakralisierung der erneuerbaren Gewalttätigkeit der Energie erleben dürfen. Es sei Lorna von Heimstedts Pfingsten gewesen, ihre Geistestaufe. Und seine. Nachdenklich fügt er hinzu: Er entschuldige sich demütig für seine „dadaistische“ Polemik gegen den pseudonymen Travis Bickle (ENERTRAGGE), der ihm 2004 wegen der „Bürgerinitiative gegen ein Windfeld Wolfsmoor“ „verdammt“ genervt seinen „Federhandschuh“ hingeworfen hatte.

Das Gebälk ist verschwunden, die Sicht frei auf den von Rotoren durchpflügten uckermärkischen Himmel. Hier wohnt keiner. „Tatsache, dat Dach is total wech, kann kein Solar drauf,“ sagt Blaugesicht in Brüssows Gaststätte „Zum Schwan“. „Alle kriegen Elektroautos,“ weiß Erwin. So die Klimakatastrophe nicht eintrifft.

Malte Wienebüttel

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e-mails von zwei nicht minder

Erleuchteten

1.

amicalement best regards 18. Januar 2013
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde und Mitstreiter, kaum sind die Grünen, Armeen der WKA-Lobby an der Macht, kriechen die teutschen Beamten in Baden Würtemberg der WKA-Mafia zu Kreuze: Dort werden Ausführungen über den Infraschall herangezogen, die rein auf Behörden-Amtswissen basieren. Keinerlei der weltweit vorhandenen Studien wird auch nur ansatzweise angeführt - geschweige geprüft. In D gibt es ja keine und wird es auch keine geben. Solange der Michel nicht den Knüppel in die Hand nimmt. Dazu ist die Psyche der Art „Mensch“ nicht gemacht. Forschungsergebnisse werden zugunsten von Ideologie und typischen Behördenkriechen negiert. Das hatten wir alle schon oft in Deutschland. Wir Bürger müssen uns gegen diese neuen Faschisten - die Ökofaschisten, deren Diener und natürlich gegen die Abzocker wehren, da ansonsten das Gleiche Ende der Lüge droht, dass wir schon kennen. Die Bürger - besonders die Frauen und Kinder - werden es wieder zahlen. Die Verbrecher werden dann weit weg sein - wie die Nazis in Südamerika und die Kommunisten am Starnberger See oder in Chile.Wir müssen nicht die Abzocker-Lobby, sondern die Bürger ansprechen. Auch, wenn das ein langer, aufwändiger und qualvoller Weg ist. Wie blöde sind die deutschen Massen, die sich immer wieder so ausnehmen und benutzen lassen? amicalement best regards mit freundl. Grüßen (Autor ist dem Verfasser bekannt.)

2.

Travis Bickle 20.11.2004, 01:52:26
Hallo Herr Nürnberger,
Ein Wort vorab:
Ich bin Schnupfen gewöhnt, ich fahre immer Leute, die Erkältungen mit sich rumschleppen, deshalb macht es nichts wenn Sie mir nette kleine Gäste schicken, aber sie brauchen doch nicht wirklich Viren und Trojaner, um mich zu schädigen oder zu durchschauen, dafür sind sind Sie doch viel zu gewieft! Und wenn schon, dann nächstes Mal auf die Absendeadresse achten und ein bisschen geschickter, so war das etwas profan und hat natürlich nicht geklappt.

...bei ständig sich verknappenden Ressourcen fossiler Energieträger, wachsender globaler Bevölkerungsdichte, der Schwellenländerproblematik sind die Fragen, die Sie sich in Ihrer Kurzsichtigkeit hinsichtlich energiepolitischer globaler Entwicklungen gar nicht erst stellen, längst beantwortet, und zwar nicht von der Spezies der ENERTRAGGE, sondern von der Bedürftigkeit der Welt nach Energie. (Gar nicht schlecht für einen taxifahrenden Psychofreak, oder?) 
Anders gesagt: An diesem Problem arbeiten derzeit weltweit deutlich mehr Menschen auf den unterschiedlichsten Gebieten, als es BIs gibt. Warum wohl? Weil Geld die Welt regiert? Ist das alles nur eine geschickte Strategie der Kapitalisten, die sich ein neues Geschäftsfeld aufgetan haben? Ist ganz Deutschland untertunnelt? Oder mag es vielleicht daran liegen, dass auch der Rest der Welt plötzlich einen Lebensstandard des industrialisierten Westeuropas haben möchte? Werden Kriege jetzt plötzlich doch wieder gegen den Terrorismus geführt und nicht wegen der Beherrschbarkeit der wenigen Ölquellen, die uns verbleiben? Eine vollständige Stromerzeugung aus Biomasse, Wasserkraft und Geothermie (Grundlast) plus Wind- und Solarkraft (Hauptmasse der Energie) ist möglich.Und das ohne Landschaftszerstörung, denn sie können spurlos abgebaut werden. Dafür würden mit Wind und Sonne nur 5% der Landesfläche benötigt. Und rechnet man ein, dass wegen Sonne und Wind wohl niemals ein Krieg geführt werden wird, dann ist der Preis für jede andere Energiequelle viel höher als für Erneuerbare Energie. Es geht darum, eine Klimakatastrophe abzuwenden. Es geht darum, zu überleben. Vor 23 Jahren haben in der Uckermark zwanzig Menschen auf einem Quadratkilometer gearbeitet. Heute sind es zwei Menschen. Deshalb ist die Uckermark heute so kahl und leer und für Windmühlen geeignet. Deshalb gibt es die Landschaft eben nicht, sondern nur das, was der Mensch zu seinem Zwecke daraus macht. Schafft nicht der Mensch sich stets das Umfeld, das er gerade braucht? In kurzer Zeit bereits werden wir in der Lage sein, die riesigen Energiemengen, welche der Wind uns schenkt, nicht nur in Strom zu wandeln, sondern auch in Wasserstoff zu speichern, damit Auto zu fahren und Stahl zu schmelzen. Und wir werden dafür weniger arbeiten müssen, als unsere Väter, Großväter und Urgroßväter, die an Erdöltrassen, in Kohlegruben und an Dampfmaschinen schuften mussten.
Ich versteh Sie einfach nicht, sagen Sie doch mal, wie soll es denn gehen....Woher wollen Sie die Energie nehmen, um die Bronze für Ihre Kopfstücke zu schmelzen? Nicht jetzt, da geht es noch, aber in 2027.
Fragt noch mal 

Travis Bickle
(Travis Bickle ist der Visionär der Firma ENERTRAG, sein spiritueller Mentor deren Chef Jörg Müller)
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