Text aus:

Bernhard Nürnberger, die konspiration der dinge , 2013, Verlag der Universität der Künste

 

vorrede

Diejenigen, welche gucken und lesen können, werden in diesem Buche von selbst merken, dass die größten Gebrechen desselben nicht meiner Schuld beigemessen werden dürfen, und diejenigen, welche weder lesen noch gucken oder nur lesen aber nicht gucken oder nur gucken aber nicht lesen können, werden gar nichts merken. Mit diesen einfachen Vernunftsschlüssen, die der alte Scarron seinem „Komischen Romane“ voransetzt, kann ich auch meine Finten und Fabeln bevorworten, indem ich diesen schönen Textbaustein aus der Vorrede Heinrich Heines zu seinen „Französischen Zuständen“ kopiere, ein wenig daran herummodelliere und einpasse.

Die größeren Gebrechen, das sind trüber Blick, schweres Gehör, taubes Gefühl und hinkende Vernunft als positive Merkmale, nicht als Alterserscheinung. Die Schuldigen für die größten Gebrechen in diesem Buch sind die Dinge und das Zeug. Mit ihren konspirativem Treiben und Bestreben wollen sie aus ihren nichtswürdigen Zuständen zum Werk, gar zum Kunstwerk aufzusteigen. Diese Anschuldigung kann ich nicht belegen, an dieser Stelle keine Lichtung, sondern Verbergung. Meine Suche nach der kleinen Reclamausgabe von Heideggers „Über den Ursprung des Kunstwerkes“ bleibt vergeblich - Sabotage! Alles ist untertunnelt! Verschwörung! - , aus der ich die Begriffe Ding und Zeug und Werk unscharf, unter der Bedingung der Unsicherheit oder gar polyfokal erinnere. Keine Aufklärung. No enlightenment. Die Schuldigen der kleineren Mängel sind der Wind der norddeutschen Tiefebene von Nord und Ost und Süd und West im Verein mit der uckermärkschen Kamarilla.

Ich gebe hier eine Reihe von Kapiteln zum momentan Besten, die ich nach dem Begehr des Augenblicks, in stürmischen Verhältnissen aller Art zu mir kaum erratbaren Zwecken „irgendwie“ - unter Sachzwang? - im digitalen Reich des Vituellen erstellt und abgespeichert hatte. Diese mithin flüchtigen, gefährdeten Daten, die ständig der Gewissheit ausgesetzt sind geändert, ausufernd erweitert oder radikal gekürzt oder unwiederbringlich gelöscht zu werden, will ich nun in einem festem Buch herausgeben, ohne dass ein anderer mich bedrängt hätte oder ich anzunehmen Grund hätte, dass sie vor oder nach meinem Abgang von anderen nach eigener Laune zusammengestellt und nach eigener Willkür oder nach dem Zwang seiner Sachen umgestaltet, oder gar die Frechheit sich gestattet würde, fremde Erzeugnisse hineinzumischen, die man sodann mir irrtümlich zuschreibt.

Genug des Lesens.
Des Guckens wegen habe ich diese Vorrede mit meiner original eigenen „Augenweide“ - nebenstehehend - kopuliert.

im Juli 2013
Bernhard Nürnberger

 

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