Fortsetzung aus dem Buch:

Bernhard Nürnberger, die konspiration der dinge , 2013, Verlag der Universität der Künste Berlin ISBN....................

Seite 205

„Wässerchen“ heißt. Diese Sanftheit ist gerade für die, die Vodka nicht gewöhnt sind, sehr trügerisch! Ich werde wohl erst einmal mit ein paar anderen Auslandsstudenten (einer Italienerin, Koreanern und Chinesen) feiern und mich dann später mit ein paar russischen Freunden treffen. Sylvester ist in Russland das wichtigste Fest des Jahres und somit auch Familienfest... zumindest bis kurz nach 24 h. Dann geht es in irgendeinen Club, größere Privatfeiern sind hier nicht üblich. Die Studenten hier sind sehr jung, so zwischen 17 und 22 und wohnen in der Regel noch zu Hause.

Alles Gute für das neue Jahr und einen guten Rutsch wünsche ich!
Simon


Von: Simaon Pietsch
Betreff: <kein Betreff>
Datum: 12. Januar 2010 13:56:59 MEZ
An: bernue@galerie-imaginaire.de

Hallo Bernhard,
sorry, dass ich solange nichts von hab hören lassen. Wie ich dir schrieb, habe ich vom 3. bis zum 12. Januar (heute) als Deutsch- und Englischlehrer in einem Ferienlager gearbeitet. Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich abends etwas Freizeit haben würde, um an der Geschichte zu arbeiten, aber Unterricht, Konferenzen und tägliche Aufführungen haben mich voll in Beschlag genommen. Das Ganze war ganz schön anstrengend - aber eine tolle Erfahrung! Ich werde meine in den nächsten Tagen fertig schreiben und dann können wir weiter sehen...
so viel erst einmal von mir
Gruß Simon

 

From: Bernhard Nürnberger
To: Simon Pietsch
Sent: Wednesday, January 13, 2010 6:59 PM
Subject: Vogelscheuche

Lieber Simon, mach Dir keinen Stress wegen meines Anliegens! Weiterhin viel Aufregendes, Anstrengung und Spaß! Ich bin zur Zeit damit beschäftigt eine Ausstellung vorzubereiten, sodass die Vogelscheuche auch bei mir etwas zurücktreten musste. Wir haben tatsächlich einen richtigen Winter hier in Berlin. Kalt und Schnee. Minus 7 Grad. „Ausnahmewinter,“ wg. Klimawandel.
Sylvester scheinst Du ja überstanden zu haben!
Salut!
Bernhard

Von: Simon Pietsch
Betreff: Re: Vogelscheuchen
Datum: 17. Januar 2010 15:42:12 MEZ
An: bernue@galerie-imaginaire.de

Priwjet Bernhard,
sorry, dass ich erst jetzt antworte. Die Arbeit in dem Ferienlager, so interessant sie auch war, hat mich
ganz schön geschafft. Mörderischen Temperaturen von zeitweise - 44° C und der ständige Schlafmangel aufgrund der vielen Arbeit haben mir den Rest gegeben. Ich war nach der Silvesternacht etwas angeschlagen, deswegen lag ich seit Mittwoch mit einer Erkältung im Bett (und im Wohnheim haben wir kein Internet). Nichts desto trotz denke ich darüber nach, im Sommer noch einmal für 2 Wochen dort zu arbeiten. Es war wirklich interessant.
Es ist gut zu hören dass ich noch Zeit habe. Unnötigen Stress möchte ich mir natürlich nicht machen, aber es wäre sehr schade, wenn meine Geschichte nicht rechtzeitig fertig würde. Ich habe von den Wetterverhältnissen in Deutschland gehört und dass die Kälte aus Sibirien kommen soll... ich halte dies jedoch, ebenso wie viele Russen hier, für westliche Propaganda. ;-)
Ich bedaure ein wenig, dass ich diesen „Ausnahmewinter“ nicht in Berlin erleben kann. Winter in Berlin mit Schnee ist eben doch etwas anderes als Winter in Sibirien, wo es 7 Monate im Jahr schneit. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass es keine Postkarten von Nowosibirsk im Winter gibt. Auf allen Postkarten grünt es an allen Ecken und Enden. Höchstens ein warmer Herbsttag schafft es als Motiv auf die Karten. Reine PR, um potentielle Touristen nicht zu verschrecken oder vom Kreml gesteuerte Propaganda, um dem Bild von Russland als ewiger Eiswüste entgegen zu wirken? Wer weiß...
Ich plane zur Zeit aus Akademgorodok, dem Stadtteil in dem ich wohne, ins Zentrum von Nowosibirsk zu ziehen. In Akademgorodok ist man ziemlich isoliert, da man je nach Verkehr 1,5 - 2 Std bis ins Zentrum braucht. Ob der Umzug möglich ist, hängt aber davon ab, wo der Russischunterricht stattfindet, nach dem ich mich gerade umsehe, da der an der Uni viel zu teuer ist. Und wo ich im Zentrum wohnen kann, ohne mich finanziell zu ruinieren. Die Mietpreise hier sind nämlich auf deutschem Niveau oder sogar höher.
Poka!
Simon

Von: bernue@galerie-imaginaire.de
Datum: 15. März 2011 23:16:56 MEZ
An: Simon Pietsch
Betreff: melden
Hallo Simon, wo steckst Du, melde dich mal bitte! Das Projekt ruft nach dir.
herzlich salut
Bernhard

Von: Simon Pietsch
Datum: 19. März 2011 23:16:56 MEZ
An: bernue@galerie-imaginaire.de
Betreff: melden

Privet Bernhard,
freut mich zu hoeren, dass das Projekt noch lebendig ist. Ich habe 3 Geschichten angefangen und die letzte noch einmal einer starken Umstrukturierung unterzogen. Deswegen bin ich auch noch nicht fertig. Die Arbeit an dieser Geschichte hat mich in meiner kreativen Arbeit wirklich voran gebracht und ich denke, ich habe einiges dabei gelernt. Allein deswegen hat sich die Arbeit an ihr schon gelohnt. Aber natuerlich ist es umso besser, wenn sie Verwendung und Le-

Fortsetzung im Netz

ser findet. Ich hoffe jetzt nur, dass mein Laptop nicht voellig hinueber ist. Es ist frustrierend, wenn so ein banales Problem wie ein kaputter Computer der Arbeit im Wege steht. Ich bin noch bis Ende Juni hier. Da die Geschichte aber eh schon so weit fortgeschritten ist, wuerde ich mich ueber das Buch ebenso freuen, wenn ich wieder in Berlin bin.
Der Schnee haelt sich hier in Akademgorodok noch hartnaeckig. Im Zentrum ist er aber schon so gut wie weg. Der Fruehling hier ist nicht unbedingt schoen und verdient diese Bezeichnung eigentlich garnicht. Die Wege sind ueberschwemmt und verschlammt und es regnet viel. Ab und zu faellt auch noch etwas Schnee. Ich freue mich heute ueber unglaubliche plus 8 Grad, die mir nach dem harten Winter mindestens wie plus 18 vorkommen.


Von: Simon Pietsch
Betreff: story
Datum: 18. Juni 2011 14:15:58 MESZ
An: bernue bernue@galerie-imaginaire.de

Hallo Bernhard,
die Geschichte habe ich nicht fertig geschrieben. Nachdem ich damals nichts mehr von dir gehört habe, habe ich die Grundidee genommen und sie in eine andere Richtung weiterentwickelt. Seit meiner Rückkehr konzentriere ich mich auf die Arbeit an einem eigenen Buch. Die Idee der letzten Version für dich war, dass ein Landstreicher namens Fedja, der aus Russland stammt, auf seiner ziellosen Reise durch Wollschow kommt. Dort trifft er auf die Scheuche und auf eine Krähe, die von ihm verlangt, dass er der Scheuche hilft, die durch ihren Gebrauch als Vogelscheuche um das Wesen ihrer Existenz gebracht worden war. Oscar Wilde sagt, alle Kunst ist völlig nutzlos. Also kann etwas, das einen praktischen Nutzen hat, keine Kunst sein. Fedja soll helfen, die Scheuche von ihrem Nutzen zu befreien, um ihr den Sinn ihrer Existenz zurück zu geben. Die Krähe weiß jedoch mehr über Fedja und seinen Zustand, als er selbst. Auch Fedja hat eine Vergangenheit, die in der Kunst verwurzelt, ihm aber verschlossen ist. Die Krähe bringt Fedja, der innerlich zerrissen ist und spürt, wie er allmählich dem Wahnsinn verfällt, dazu, seine Vergangenheit zurückzugewinnen. Und so nicht nur die Scheuche, sondern auch sich selbst zu retten.
Soviel dazu...
Du kannst mir vielleicht noch einmal mehr über dein Konzept erzählen und ob meine Geschichte oder unsere E-Mail-Korrespondenz Teil davon sein sollen.
LG
Simon