Beitrag zum TRIALOG mit Ute Gerdes und Mechthild Weisser

>Die Dame mit dem Hündchen<*

calvatia gigantea

kennwort: eingriff*

kennwort: venus*

kennwort: selladon*

kennwort: coeur de crozon*

kennwort: uecker*

 

kennwörter: ---/ betonknospe*

 

kennwörter: ---/mit ziegelbruch/intarsie 1*

kennwörter: caillou corse / granite* / crozonsand*

kennwort: axt*

kennwort: sichel*

kennwort: mit scherbe*

kennwort: venus 2*

kennwörter: ockergrotesk* / kalzitgrotesk* / portogallogrotesk*

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kennwort: blauspitz*

*) in der Ausstellung "Trialog"

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vor der Vernissage: Kläre Schlamm zu Besuch

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Ausschnitt aus der Rede zu Eröffnung der Ausstellung TRIALOG

von Michael Nungesser

Die Werke von Bernhard Nürnberger, der das Trio vervollständigt, bilden eine Erweiterung besonderer Art, da sie als plastische Konstrukte dreidimensionale Qualitäten aufweisen und weder Architektur, Landschaft noch den menschlichen Körper zum Gegenstand haben. Nürnberger ist ein vielseitiger Künstler - Maler, Zeichner, Karikaturist, Keramiker und Bildhauer. Bekannt sind vor allem seine Steinskulpturen und Bronzeplastiken, die in ihrer Mehrzahl als "Kopfstücke" ausgebildet sind, sich also dem menschlichen Haupt mit dem Schwerpunkt auf physiognomischem Ausdruck widmen. Darunter befinden sich auch Büsten ähnlich wie die hier im Foto sichtbare Settignanobüste aus des Künstlers Fundus, die Nürnberger, ergänzt um eine tierische Eigenschöpfung, zur "Dame mit Hündchen" erklärt. Letzteres, ein äußerst merkwürdiges, nicht eben ansehnliches, ja eigentlich abscheuliches Exemplar eines etwas zu groß geratenen Punzenleckers - so nannte man früher Schoßhündchen - führt aber schon Medias in res, nämlich hinein in den Riesenbovist, der auch für die hier ausgestellte Werkgruppe von Arbeiten von Gips- und Betongüssen als direkte Vorlage diente. 
  Schon seit Beginn der letzten Dekade beschäftigt sich Nürnberger mit eben diesem gigantischen Pilz, auch Riesenstäubling genannt und in der Botanik "Calvatia gigantea" geheißen. Es ist ein großer rundlicher Pilz mit glatter, lederartiger Haut und ohne Stiel, auffindbar, wie Fachleute wissen, auf Fettweiden, an Wald- und Wegrändern und in geschlossenen Laubwäldern auf humosen Böden. Er ist unverwechselbar, unübersehbar und essbar. Nürnbergers Zugang zum Kugelpilz, ein Verzehr der besonderen Art, erfolgt zuerst auf optischem wie haptischem Wege. Nur ein deformierter Riesenbovist ergibt ein Hündchen, wie oben erwähnt, doch im Normalzustand erinnert der Pilz eher an Ei oder Frucht, an Kopf oder Organ eines nicht nur menschlichen Lebewesens. Doch nicht allein die äußere Form reizt Nürnberger, sondern auch deren Volumen. Er schreibt: "Die Finger durchstoßen die weiße, weiche Haut, tasten und greifen zu im Innern. Das Objekt zeigt nicht den Pilz, nicht den Griff. Es zeigt den Raum, den der Pilz und die Form, die der Griff hinterlassen hat. Innen war außen, außen war innen."
Häufig malträtiert Nürnberger die Pilzform mit Gegenständen, die deren Haut durchbohren, ihre spitzige Form in ihr Fleisch treiben, zerschlagene Steine und Porzellanscherben, Werkzeuge wie Nägel, Axt oder Sichel. "Das Objekt zeigt dann nicht die Haut, nicht das Fleisch, nicht den Stein. Es zeigt den Raum den der Pilz hinterlassen hat. Und die Formen, die versteckt waren, die es im Stein nicht gab vor dem Schlag. Innen bleibt innen."
Gleich ob massiver Abguss oder Hohlform, die durch Färben und Polieren bearbeiteten Gips- und Betongüsse ergeben ein Vielfalt von Objekten, die sowohl in ihrer neuen Gestalt wie in ihrer Materialerscheinung und Oberflächenanmutung Assoziationen unterschiedlichster Art zulassen. Die organische, letztlich körperhafte, fortwirkende Ausgangsform erweist sich als Konstante, als Metapher für Leben und Wachstum, auch im eher harten Stoff von Gips und Beton. Ihre Verwundbarkeit ist offensichtlich, und doch hat sie die Kraft der Einverleibung und kann Fremdkörper auch zum wehrhaften Innenleben transformieren. Was aus der einfachen, ursprünglich geschlossenen und gestaltarmen Form entsteht, sind neue, bunte Früchte am Baume der Kunst, aber auch objekthafte Sinnbilder für menschliches Tun und Fühlen, "Splitter im Kopfe des Betrachters", wie Nürnberger selber das formuliert.

 
     

calvatia in der TRIALOG-Ausstellung

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