Informationen für die Öffentlichkeit

Bernhard Nürnberger

konspiration der dinge
– conspiracy of pieces –

mit Texten von Malte Wienebüttel

Galerie Verein Berliner Künstler
10. März bis 10. April 2011

 

Berlin, 18. Februar 2011

Ausstellung zum Benninghauspreis 2010

Vom 10. März bis 10. April 2011 zeigt der Verein Berliner Künstler in seiner Galerie eine Ausstellung des Preisträgers von 2010 Bernhard Nürnberger.

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Die Ausstellung KONSPIRATION DER DINGE zeigt
Momentaufnahmen aus der künstlerischen Produktion Bernhard Nürnbergers. Die Installationen, Assemblagen, Fotografien und Malereien, die überwiegend aus den letzten Jahren stammen, verstehen sich als in permanenter Interaktion befindliche Spielelemente. Im Zusammenhang mit vollendeten bzw. noch im Fluss befindlichen Projekten, welche die Schau ebenso dokumentiert, wie sie ältere Werke aus scheinbar abgeschlossenen Phasen seiner Tätigkeit einbezieht, entsteht ein komplexes Bild der Gestalten und Dinge Bernhard Nürnbergers. Im Zentrum seines künstlerischen Interesses stehen die visuellen Eigenschaften und das Verhalten des jeweils verwendeten Materials.


Benninghauspreis 2010

Der Kunstpreis wird jährlich vom Mäzenen- und Sammlerpaar Barbara und Michael Benninghaus gestiftet. Sie haben den Preis mit einer Summe von 5000 Euro dotiert. Der Preis wird an ein Mitglied des VBK vergeben und fördert die Arbeit des Vereins. Er umfasst ein Preisgeld von 3.000 € für den Künstler sowie die Unkosten der mit dem Preis verbundenen Einzelpräsentation des Preisträgers für den VBK. Mit ihm wird ein Werk ausgezeichnet, das stellvertretend für das Gesamtschaffen des Künstlers steht.

Inken Dohrmann, Kunsthitorikerin, Dr. Friederike Hauffe, Kunsthistorikerin und Kuratorin ind Dr. Marc Wellmann,Ausstellungleiter des Georg Kolbe Museums bildeten die vereinsexterne Jury 2010 und sprachen den Preis Bernhard Nürnberger für seine figürliche Materialassemblage "Nida" zu.

In ihrer Begründung charakterisieren sie Nürnbergers Schaffen: „Mit bemer-
kenswerter Intensität beschäftigt sich Bernhard Nürnberger mit der mensch-
lichen Figur. Darin kombiniert er spannungsvoll klassische Bildhauertechniken
mit modernen plastischen Herangehensweisen und traditionelle Materialien
mit Fundstücken. Die humorvolle Anwendung der Materialikonografie und
geistreiche Rückbezüge in die Kunstgeschichte bis in die Antike zeichnen sein
Oeuvre aus. Bernhard Nürnbergers Arbeiten überzeugen durch irritierende
Widerständigkeit und stringent durchgehaltene Qualität.“

Pressevorschau am Mittwoch, 9. März 2011, 12 - 14 Uhr

Eröffnung am Mittwoch, 9. März 2011, 19 Uhr

Die Stifter Barbara und Michael Benninghaus werden anwesend sein; Begrüßung: Sabine Schneider, 1. Vorsitzende; einführende Worte: Dr. Marc Wellmann, Ausstellungsleiter des Georg Kolbe Museums

antikonspiratives Werkgespräch am 30. März 2011, 19 Uhr; Moderation: Susanne Husse

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zum Konzept der Ausstellung

Auszug aus dem Text ( Version Januar 2011) von Malte Wienebüttel:
Kunstkomplott – und die Kunst des Vermutens“

DIE AUTORITÄRE MACHT DES MATERIELLEN  Wir gehen ein Schritt weiter und übertragen sein (Assanges) Verständnis von Struktur und Funktionsweise terroristischer Organisationen als connected graphs (die Abstraktionsmodelle für Netzwerke, Beziehungsgeflechte, Seilschaften, Komplotte) in die Sphäre des Materiellen und der Kunst. Wir machen es zu einem Skalpell, das die Konspiration, das Handeln der Dinge Sachen Objekte Werkstücke pieces, des Zeugs, die ihnen die Macht sichert, bloß legt. Schneiden aufschneiden sezieren um zu verstehen. Wir nutzen das Modell des connected graph, um die konspirativen Prozesse der autoritären Dinge zu begreifen.


TERRORISTISCHER ATEM   Bedenken wir, das Modell des connected graph suggeriert Statik. Im Reich der Dinge gibt es jedoch keine gesicherten Zustände. Keine Ruhe, keinen Stillstand,; conspirare, lat. ’im Einklang stehen (sic!), zusammen wirken’, vgl. lat. spirare ’wehen hauchen atmen leben’; transitorial vertices; Werke, pieces in the state of fux, sie sind Entitäten auf Zeit. Das Nagelbrett Assanges zeigt nicht den Kampf der Dinge untereinander, ihre gegenseitigen Angriffe, ihre Metamorphosen, ihren Kannibalismus. Sie zerstören zerreißen zerstückeln verformen sich zu gegenseitigen Lasten und auf Kosten für  einen unkalkulierbaren, eigenen Nutzen, ungesicherte  Sinnzusammenhänge. Sie schlachten gestandene Verschwörer aus, gemeinden neues Zeugs -  „Fundstücke“ - ein. Sie verbinden sich, fügen und sortieren sich neu, verwischen und vermischen, begrenzen und entgrenzen sich, oszillieren und vibrieren, kopulieren und koagulieren, fallen auseinander und über sich selbst her und wieder zusammen; unhaltbare Zustände; Treibende und Getriebene; Komplotte als assemblées du terreur ....

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 Die Ausstellung ist wie ein Buches in Kapitel gegliedert.

 

Beispiele 

Kapitel

„Altdeponie der Stadt Brüssow (Uckermark) - eine Fantasie“,

 Brüssow (randowkurier) „Die Idee zu meiner Installation verdanke ich Amtsdirektor Detlef Neumann“, sagt der in Wollschow seit gut zehn Jahren ansässige Berliner Künstler schmunzelnd. In einem amtlichen Protokoll habe er zu seinem Erstaunen die Feststellung des Amtsdirektor gelesen, der Müllskandal Altdeponie Brüssow existiere allein in seiner – Nürnbergers - Phantasie (und der des Stadtverordneten Siegfried Bahnweg). Auf der Brüssower Deponie waren in den 90er Jahren illegal Klärschlämme verkippt worden; nach dem derzeitigen Kenntnisstand wurde die Deponie seinerzeit nicht entsprechend den gesetzlichen Vorgaben geschlossen. (...)


>Foto 1

Kapitel

„ der schlaf des faun“, Fortschreibung des Projektes in der Abguss-Sammlung antiker Plastik Berlin 2010

 Berlin (bg).... Deine Skulpturen im Kontext der Berliner Abgusssammlung (antiker Plastik Berlin) ... Diese Komposition von vermeintlichen Gegensätzen erzielen beim Betrachter eine unvorhergesehene Wirkung: Groteske Skulptur und antike Plastik ergeben ein einheitliches Gefüge - ergänzen sich ästhetisch. Die mythologische Erzählung des Aristophanes in Platons Gastmahl besagt, dass einst die Götter des Olymp nach ihrem Abbild die so genannten Kugelmenschen schufen, welche aus zwei Geschlechtern bestanden mit 4 Armen, 4 Beinen, 2 Köpfen, und 2 Herzen. Doch da diese Geschöpfe nur die besten Eigenschaften der Götter in sich trugen, rissen die Bewohner des Olymps - aus Angst vor deren Kraft und Stärke - ihre eigenen Kreaturen auseinander und warfen sie auf die Erde. Seither ist ein verzweifeltes Herum-Geirre auf unserem Planeten zu erkennen, da jeder nach seiner getrennten Hälfte Ausschau hält. Mir scheint, als hätten Deine Skulpturen in ihrer Unvollkommenheit nun die passenden Geliebten gefunden...


> Foto 2

Kapitel

„Das gescheiterte Projekt Güterbahnhof Wilmersdorf“,

 Berlin (mw an bn )....Unser Projekt ist gescheitert! Gestern erzählte ich Wolf von unserem Vorhaben. Er sagte mir, dass das aufgelassene Gelände des Güterbahnhofs Wilmersdorf kürzlich Schauplatz eines Kapitalverbrechens gewesen sei. In Plastiktüten gesteckte Leichenteile seien auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs gefunden worden. Ich habe im Netz recherchiert, schicke dir ein paar Fundstücke und füge dem nichts hinzu.


> Foto 3

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Foto 1: Installation „Leichen im Keller“


 

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Foto 2: Installation „der schlaf des faun gebiert ungeheuer“

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Foto 3: das gescheiterte Projekt “Müllgeburt“

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Die Ausstellung ist ein Baustein für eine Buchpublikation mit dem Arbeitstitel: die konspiration der dinge

 

Noch während der Ausstellung kam es im VBK zum Schissma. Es entzündete sich ein Disput an einen Statement einer Vereinskommission über die Aufnahmekriterien von neuen Mitgliedern. Darin wird eine gesonderte Würdigung von Künstlern vorgeschlagen, die auch Kunstlehrer waren oder sind. Etliche Vereinsmitglieder nahmen Stellung. So oder so, die Mitgliedschaft spaltete sich auf:

Verein Beglaubigter Kunstmaler

&

Verein Berliner Künstler